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BZ-Artikel: Worb - Nicht bescheiden, sondern realistisch

Fast 30 Jahre lang hatte Martin Christen die Leitung der Lokalzeitung «Worber Post» inne. Nun gibt er diese ab. Der 67-Jährige war aber auch Ombudsmann und offenes Ohr für alle möglichen Anliegen der Einwohner.

«Es ist ein Privileg, dass mich so viele Leute kennen.» Martin Christen nimmt in einem flauschigen roten Kinosessel Platz. Das Kino Worb ist eines der vielen Projekte, die der gebürtige Rubiger in über 30 Jahren in Worb angepackt hat. Vor 5 Jahren hat er es übernommen und renoviert und damit dessen Fortbestehen gesichert.

Sich engagieren

Bekannt in und um Worb ist Martin Christen aber nicht nur als ­Kinolebensretter geworden. Er arbeitete bei Radio DRS als Inlandchef und später als Nachrichtenchef.

«Als ich dann 1985 nach Worb gezogen bin, wusste ich, dass ich mich in und für die Gemeinde betätigen will», sagt Christen. Es ­gebe heute immer weniger Leute, die sich in irgendeiner Form am Gemeindeleben beteiligen. «Lieber kritisieren die Leute und ‹rüefe us›, anstatt sich Zeit zu nehmen und etwas zu verändern.» Zum Fussballspielen sei er aber damals schon zu alt ge­wesen, und in der Feuerwehr habe es bessere Leute als ihn gegeben. Bald sei ihm aber das Lokalblättchen ins Auge gestochen.

«Flugs bin ich zum damaligen ­Gemeindepräsidenten gegangen und habe ihm gesagt, dass ein Dorf von dieser Grösse einfach eine bessere Zeitung nötig habe.» Ab 1989 baute Martin Christen das damalige Infoblatt kontinuierlich zur neuen Lokalzeitung «Worber Post» aus – zum meistgelesenen Medium der Worberinnen und Worber – und leitete die Zeitung auch fast 30 Jahre lang.

«In meinem Büro im Mediencenter gingen die Leute ein und aus», erzählt Christen. Nebst Journalist sei er gleichzeitig eine Art Ombudsmann für alle möglichen Angelegenheiten gewesen. «Die Einwohner erzählten mir, was im Dorf los war, so kam ich auch zu guten Geschichten.» Sie hätten aber auch immer wieder seine Meinung zu einem bestimmten Thema oder seinen Rat hören wollen. «Ich habe viel zugehört, sie manchmal von ihrem hohen Ross runtergeholt und beschwichtigt», sagt der 67-Jährige.

Seine Meinung äussern

Dass Martin Christen in Worb und auch in Rubigen, wo er aufgewachsen ist, so bekannt ist, stört ihn nicht. «Wenn ich in einer Beiz sitze, kann ich sicher sein, dass mich jedes Mal jemand anspricht oder sich zu mir setzt.» Das schätze er sehr. Gleichzeitig sei es aber auch eine schöne Erfahrung, in Südfrankreich in einem kleinen Café zu sitzen und in Ruhe Zeitung zu lesen.

«Wenn ich in einer Beiz sitze, kann ich sicher sein, dass mich jedes Mal jemand anspricht.» Martin Christen

Was ihn besonders freut, ist der Respekt, den ihm die Bewohner der Gemeinde Worb entgegenbringen. «Ich habe so viele positive Reaktionen über meine Arbeit und meine Projekte erhalten», sagt Christen. Auch wenn er in der Lokalzeitung zum Beispiel nicht immer die Meinung der Politiker oder der Mehrheit vertreten habe. Und fügt an: «Wir leben manchmal im Land der ‹Neidgenossen›. Die Leute, die das, was ich mache, nicht gut finden, kommen nicht zu mir und reiben mir das unter die Nase.»

Realist sein

Martin Christen sei ein Mensch, der mutig vorausgehe, etwas anpacke und andere deshalb inspiriere, sagte der Worber Gemeindepräsident Niklaus Gfeller, nachdem bekannt geworden war, dass Christen die Leitung der «Worber Post» abgibt. Er habe zu Recht durch all seine Projekte 2009 den Kulturpreis erhalten. «Ich bin mir sicher, dass Martin Christen die Gemeinde weiterhin prägen wird.»

Das sieht der 67-Jährige gar nicht so. «Geprägt habe ich gar nichts, höchstens in einigen Bereichen Einfluss genommen», sagt Christen. Deshalb hat er auch den Kulturpreis, für den er schon lange vor 2009 vorgeschlagen worden war, immer wieder abgelehnt. «Es gab Personen, die mehr für Worb geleistet hatten, die habe ich dann im Gegenzug vorgeschlagen – und sie haben jeweils auch gewonnen.» Diesen Charakterzug will er aber nicht Bescheidenheit nennen. «Ich bin einfach nur realistisch.»

Interessiert bleiben

Angst vor der vielen Zeit, die ihm nun bleibt, nachdem er die letzte Ausgabe der «Worber Post» herausgegeben hat, hat Martin Christen keine. «Mir ist nie langweilig, ich bin immer etwas am Studieren, am Lesen oder Schreiben, oder dann spreche ich mit jemandem.» Deshalb werde er sicher nicht in ein Loch fallen. Er kann sich gut vorstellen, weiterhin zeitlich befristete Projekte in den Bereichen Publizistik, Politik, Geschichte oder Archäologie anzupacken.

Auch im Kino soll eine Veränderung anstehen. «Mein Geschäftspartner Rolf Nöthinger und ich haben den Wunsch, das Kino über kurz oder lang weiterzugeben an jemanden, der es auch in seinem ursprünglichen Sinn weiterbetreiben wird», erklärt Martin Christen.

(Annic Berset, Berner Zeitung)


Ein Artikel aus der

https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/nicht-bescheiden-sondern-realistisch/story/12024318
Das Bild zeigt Martin Christen.
Martin Christen hat in Worb viel angepackt und umgesetzt. Unter anderem hat er das Kino Worb gerettet. Bild: Beat Mathys

Datum der Neuigkeit 3. Jan. 2018