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BZ-Artikel: Vom Bauerndorf zur Agglosiedlung

Rüfenacht Das Dorf war einst ein beschaulicher Bauernweiler. Der Bauboom verwandelte es aber in einen anonymen Pendlerort. Die Geschichte von Rüfenacht wird in einem neuen Buch erzählt.

Die Lage von Rüfenacht ist eigentlich ganz idyllisch. Nicht zu gross, eingebettet zwischen einer ländlich-bäuerlichen Kulturlandschaft mit ausgedehnten Grünflächen, Wäldern und Hügeln und doch nicht zu weit weg von der Stadt Bern.

Der Aufbau des Dorfes präsentiert sich aber etwas weniger harmonisch. Nachdem der Gasthof Sonne 2012 abgebrannt ist, ist das Dorf auf der Suche nach einem neuen Zentrum. Mit den in die Jahre gekommenen 70er-Jahre-Blöcken im unteren Teil von Rüfenacht und den Einfamilienhäusern und Villen oben im Dorf wirkt der Ort ausserdem alles andere als homogen.

«Rüfenacht entwickelte sich zum typischen Schlafort mit einer Pendlerbevölkerung, deren Interesse zwischen Arbeits- und Wohnort geteilt sind.» Diese Einschätzung trifft die Berner Historikerin Anne-Marie Dubler in ihrem Buch «Die Geschichte von Rüfenacht und Vielbringen». Das Buch ist als Ergänzung zur «Worber Geschichte» entstanden. Aus dem einstigen kleinen Bauerndorf sei ein Ort ohne einheitlichen Auftritt, ohne Dorfcharakter, auch ohne dörfliches Zentrum geworden, sagt die Autorin.

Strasse bringt Modernität

Noch vor hundert Jahren zählte die damalige Gemeinde Vielbringen-Rüfenacht 13 Güter. Der Ort verfügte zwar über ein Schulhaus, um ein «richtiges» Dorf zu sein, fehlte es Rüfenacht aber an dörflichen Infrastrukturen. Es gab im 19. Jahrhundert weder einen Markt oder eine Taverne noch ein Gewerbe. Ausser der Landwirtschaft hatten Rüfenacht und Vielbringen keine Verdienstquellen. Dies änderte sich ab 1835, als das neue Wirtschaftsgesetz in Kraft trat und eine Pinte in Rüfenacht installiert wurde.

Der Bau von neuen Strassen zog wenig später Gewerbetreibende von Aussen an, sodass sich der Ort vergrösserte. Es ent­standen eine Käserei und ein Schlachtlokal, und mit dem ersten installierten Telefon und einer Postablage kam etwas Moderne nach Rüfenacht. Und spätestens nach der Einweihung der Strassenbahnstation wuchs das Dorf rasch.

Dorfcharakter verschwindet

All das lockte an Bauland Interessierte nach Rüfenacht, erste Bauern gaben Land ab. Dieser Gewinn ermöglichte es ihnen, nötige Investitionen zu tätigen oder ihren Hof zu renovieren. Das erste Mehrfamilienhaus wurde bereits 1901 gebaut, Einfamilienhäuser folgten und markierten den Beginn der Pendlerbewegung im Dorf. Die grösste Überbauung folgte für Rüfenacht 1957, als die ersten grossen Wohnblöcke am Mittelweg und an der Dorfstrasse entstanden.

Nichtsdestotrotz wurden die dörflichen Strukturen noch gewahrt. Die Bauernhöfe scharten sich um den öffentlichen Dorfbrunnen, 18 Landwirte waren 1950 noch registriert. Diese hatten aber mehr und mehr mit dem wachsenden Verkehr durch die neuen Strassen zu kämpfen, Kuhglocken wurden plötzlich als störend empfunden, Miststöcke galten als ärgerlich. Weil es damals noch an einer Bauordnung fehlte, verkauften viele Bauern ihr Land und zogen weg, Wohnblöcke folgten auf den ehemaligen Landwirtschaftsparzellen.

Soziale Segregation

Zwischen 1960 und 1970 wuchs Rüfenacht von 885 auf knapp 3000 Einwohner. Optimistische Entwickler sagten sogar voraus, dass das Dorf zu einem «Zehntausend-Seelen-Ort» werden könnte. Dies geschah nicht, aber zu den Mehrfamilienhäusern gesellten sich weiter hangaufwärts auch noch Reiheneinfamilienhäuser und Villen. Durch die zugezogenen jungen Familien mit Kindern wurde ein neues Schulhaus nötig – es entstand das Sperlisacker. Mit dem 1982 realisierten Kirchenzentrum wurde der obere Teil des Dorfes noch zusätzlich aufgewertet.

«Heute lässt sich eine soziale Segregation der Villenbesitzer gegenüber dem alten Dorf und den vielen Mietern in den Wohnblöcken ausmachen», schreibt Anne-Marie Dubler. All diesen verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, sei vor allem im Hinblick auf ein neues Dorfzentrum sehr schwierig.

(Berner Zeitung/Annic Berset)



Ein Artikel aus der
Das Bild zeigt die alte Rüfenachter Post um etwa 1910.
Die alte Rüfenachter Post um etwa 1910. (Bild: zvg/IG Worber Geschichte)

Datum der Neuigkeit 30. Nov. 2017