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Berner-Landbote-Artikel: Kleine kommen und gehen Egger Bier bleibt nah bei Kunden

WORB Die Brauerei Albert Egger AG gehört zu den Mittelgrossen der Bierbranche, mit 154 Jahren blickt das Unternehmen aber auf eine aussergewöhnliche Firmen- und Familiengeschichte. Michael und Marcel Egger leiten den Betrieb in sechster Generation. Kundennähe ist das Erfolgsrezept der Firma.

Wenn Egger Bier ruft, kommen die Stammgäste pünktlich und in Scharen. So beispielsweise neulich zum Bockbieranstich in Worb: Die Gaststube des Brauereirestaurants ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als Produktionsleiter Michael Egger zur Begrüssung antritt und sich bei den lieben Gästen bedankt für die Treue «nicht nur heute Abend, sondern übers ganze Jahr». Auch Braumeister Yannick Spindler tritt persönlich vor die Gäste, um sein jüngstes Stargebräu anzukündigen: «Gutmütig und sanft» sei es geworden. Bereits im August hatte der Braumeister mit Einmaischen begonnen. Zweimal jährlich zu Ostern und vor der Adventszeit produziert Egger ein Bockbier, das mit sechs Prozent einen etwas stärkeren Alkoholgehalt als Lager-und Spezialbier aufweist und somit auch würziger ist. Das Bockbier im Frühling liefert die Brauerei jeweils mit ihrem Pferdegespann auf den Berner Kornhausplatz aus, wo der alten Tradition gemäss der Anstich des Fasses erfolgt.

Mundart-Rap über die «Stange»

Dass die Brauerei Egger 154 Jahre lang als eigenständiger Familienbetrieb überlebt hat, ist keine Selbstverständlichkeit, mussten doch andere traditionsreiche Betriebe wie Gurten, Cardinal und Warteck ihre Produktion den Grossen überlassen. 2013 feierte Egger Bier das 150-Jahre-Jubiläum mit einem grossen Volksfest und Tag der offenen Tür. Hierfür spannte die Brauerei lokale Szenemusiker ein, um für das Worber Getränk den witzig-frechen Werbefilm «Hopfe, Malz und Wasser» zu produzieren. Auf der Website der Brauerei und auf Youtube ist der Clip zu sehen und zu hören. Für das Konzept zeichnet Florian Wyss, der durch Müslüm-Television schweizweit zum Erfolgsgarant geworden ist. In die Hauptrolle teilen sich Resli Burri, Text, und Pascal Dussex, Gesang. Die Blaskapelle Worb verleiht der vielstimmigen Lobeshymne aufs Volksgetränk die nötige Würze.


Ausgangspunkt ist die bodenständige «Stange», die «schlank, blond und lang» auf dem Tresen steht, gezapft von der blonden und schlanken Wirtin dahinter. Am Schluss des Clips wird allen klar, wie der schäumende Zaubertrank in den Tank beziehungsweise den Ausschank gelangt und weshalb alle Beteiligten stets guter Laune sind.


Das Brauen muss Freude bereiten


«Wenn du keine Freude daran hast, kannst du diesen Beruf nicht machen.» Dieser Grundsatz wurde dem jungen Michael Egger durch Vater Max Egger eingebläut. «Selbstverständlich musste ich schon früh in unserem Betrieb mithelfen», erzählt Michael Egger hinten in der vollen Gaststube an einem Nebentisch, wo ein ungestörtes Gespräch mit dem Vertreter der sechsten Generation möglich ist. Den weiteren Abend wird der 35-Jährige seinen Stammgästen und Freunden widmen. Sie warten ungeduldig darauf, mit Egger anstossen zu dürfen. Erst kürzlich sind die Brüder Marcel und Michael in die Geschäftsleitung eingestiegen.


Den Beruf des Bierbrauers heute Lebensmitteltechnologe mit Schwerpunkt Bier erlernte Michael Egger aus freiem Willen, allerdings nicht im elterlichen Betrieb, sondern bei Rugenbräu Interlaken. Nach Abschluss der Berufslehre arbeitete er zwischenzeitlich als Gerüstbauer und absolvierte die Handelsschule in Bern. Seinen Braumeistertitel erwarb er in München. Vor elf Jahren wurde endgültig klar, dass er zur Brauerei Egger gehört und es ihm Freude macht, für den Betrieb Verantwortung zu übernehmen. Jetzt ist er Produktionsleiter und versichert: «Ich wurde durch meine Familie nie unter Druck gesetzt.»


Der Einstieg im Familienbetrieb erfolgt in einer Zeit, da landauf landab neue Klein- und Kleinstbrauereien entstehen und die Bierkultur eine Renaissance erlebt zur Freude Eggers: «Es ist eine schöne Entwicklung.» Den Ursprung der Craft-Beer-Bewegung, die zum Ausbruch aus der industriellen Massenproduktion führte, ortet Egger in den Vereinigten Staaten. Experimentalbrauer wollten sich nicht länger an das historisch bedingte Reinheitsgebot halten und kreierten eigene Produkte. Nach Auflösung des Bierkartells in den 1990er-Jahren entstanden auch hierzulande Dutzende «Garagenbrauereien». Viele der Neuen verschwanden in der Folge wieder sang- und klanglos. Übrig blieben innovative Betriebe «lokale Bierkreationen von hoher Beständigkeit», wie Egger erläutert. Der Anspruch auf Rückverfolgbarkeit und der erstarkte Fokus der Konsumentinnen und Konsumenten auf regionale Produkte, Qualität und lokale Verankerung kommen auch Brauereien wie Egger zugute. «Diese Bewegung stärkt unsere Marke», zeigt sich Egger überzeugt.


Malz und Hopfen kauft Egger wenn möglich aus einheimischer Produktion. Der Schweizer Markt decke jedoch kaum einen Zehntel des Bedarfs, sagt Egger. Die Kundennähe festigt Egger durch eigene Anlässe wie den Bockbieranstich, Präsenz an lokalen Festivals wie der Gürbetaler Bierwanderung, regelmässigen Verkauf ab Rampe, den jährlich stattfindenden Rampenfesten und Brauereibesichtigungen. Zum Unternehmen gehören zudem die Restaurants Braui Worb, Fédéral am Bundesplatz und Anker am Kornhausplatz.


Geschäftszahlen gibt die Brauerei A. Egger AG nicht bekannt. Mit einer Jahresproduktion von 20?000 Hektolitern gehört Egger zu den Mittelgrossen; Egger ist auch Mitglied des Schweizer Brauerei-Verbands SBV, bestehend aus 18 schweizerischen Unternehmen mit einem Mindestausstoss von 2000 Hektolitern. Nach einer geringfügigen Umstrukturierung mit einem punktuellen Stellenabbau beschäftigt die Egger AG heute 36 Angestellte. «Der Abbau von vier Stellen war für uns sehr schmerzhaft» betont Egger. Nebst einer Frühpensionierung konnten aber für alle Mitarbeitenden gute Lösungen gefunden werden. «Nun konzentrieren wir unsere Produktion aufs Wesentliche, nämlich unsere bewährten Biersorten», sagt Egger.


Das «Albertus», das den Namen des Gründers trägt, steht zuoberst auf der Sortimentsliste. Weitere Egger-Klassiker sind das Lager-, Zwickel- und Bockbier, Bügel Spezial, Fleur d'Abeilles, Galopper, Maximus, Soleil Spezial (produziert mit Solarenergie) und andere mehr.


Vom übrigen Getränkehandel ist nur noch Mineralwasser übriggeblieben. Das «Egger Wasser» stammt aus der hauseigenen Fassung, die bereits 1863 von Gottfried Egger erschlossen wurde und die Brauerei bis heute mit hochwertigem Wasser speist. Wasser ist denn auch wichtigste Komponente des Biers: Bier selber besteht zu rund 90 Prozent aus Wasser; zur Herstellung eines Liters Bier braucht es 70 Liter Wasser.


Erster Swiss Beer Award


Einige Biere aus der Brauerei Egger sind preisgekrönt, holten bei internationalen Wettbewerben Gold oder Silber. «Für uns und unser Personal sind diese Auszeichnungen immer wieder eine wichtige Bestätigung», sagt Egger. Demnächst findet auch in der Schweiz ein bedeutender Wettbewerb statt: der erste Nationale Swiss Beer Award. Die Prämierung der besten Biere aus einheimischer Produktion durch die Leitung mehrerer Expertenteams findet am 29. November Nomen est Omen im Bierhübeli Bern statt. Mit dabei ist auch die Firma Egger.


Der Wettbewerb hat laut Komitee zum Ziel, «die schweizerische Braulandschaft mit ihrer immensen Biervielfalt und Qualität der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.» Mehrere Verbände und Branchenorganisationen stehen hinter dem Anlass, nämlich der Schweizer Brauerei-Verband SBV, die Interessengemeinschaft unabhängiger Schweizer Brauereien, die Schweizerische Braumeistervereinigung, die Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt, Bio Suisse, die Labor Veritas AG sowie die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften.


Die Veranstalter blicken mit Stolz auf die Entwicklung der Branche: «Mit 833 offiziellen Braustätten kann die Schweiz zu Recht als Brau- und Bier-Eldorado bezeichnet werden.»

Berner Landbote, Daniel Vonlanthen

Datum der Neuigkeit 30. Nov. 2017