Kurze Geschichte der Gemeinde und
Herrschaft Worb
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Generalansicht von Worb im 19. Jahrhundert.
Quelle: Gemeinde Worb
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Worb ist die grösste Gemeinde des Amtsbezirks Konolfingen. Sie liegt rund
zehn Kilometer östlich der Bundesstadt Bern und umfasst die acht Ortschaften
Worb, Rüfenacht, Vielbringen, Richigen, Ried, Enggistein, Wattenwil und
Bangerten mit insgesamt rund 11'000 Einwohnern.
Aufgrund der wenigen archäologischen Funde ist nicht gesichert, ob auf dem
heutigen Gemeindegebiet bereits in der Jungstein- und Bronzezeit (ca.
5500–800 v.Chr.) Menschen lebten. Deutlichere Spuren haben in Worb die
Kelten hinterlassen, wie Gräber aus der Eisenzeit (800–50 v.Chr.) belegen.
Ein Grab am Worbberg, die Grundmauern eines Gutshofs in der Sonnhalde aus
dem 2./3. Jahrhundert n.Chr. und weitere Einzelfunde sowie galloromanische
Ortsnamen (z.B. Rüfenacht) zeugen von der römischen Besiedlung. Zahlreiche
Flurnamen mit deutschen Wurzeln erinnern heute noch daran, dass nach den
Römern Alemannen im 5. und 6. Jahrhundert nach Worb zogen.
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Der steil abfallende Schlossstalden mit der Hammerschmiede Ott links
im Vordergrund um 1830.
Quelle: Gemeinde Worb |
Erste schriftliche Zeugnisse von Worb stammen aus dem Hochmittelalter.
Erstmals wurde Worb im Zusammenhang mit den Freiherren de Worwo 1130
erwähnt. Im Spätmittelalter war Worb eine Twingherrschaft, die anfänglich
aus nur einem grundherrlichen Niedergerichtsbezirk, dem Twing Worb, bestand.
1398 kam von Walkringen der Twing Wikartswil, 1498 der zuvor eigenständige
Twing Wikartswil dazu. Der Twingsherr von Worb vereinigte in seiner Hand
Herrschaftsrechte in diesen drei Bezirken. Er erliess Gebote und Verbote,
besass die niedere und mittlere Gerichtsbarkeit, die Verwaltungshoheit sowie
die Schirmgewalt über die Herrschaftsleute, d.h. er gewährte die
Rechtssicherheit und verteidigte sie gerichtlich nach aussen. Als Grundherr
konnte er ehrhafte Gewerbe (wie Mühlen, Gasthäuser) konzessionieren und
besass die Oberhoheit über einige Bauerngüter. Der Twing Worb umfasste das
Dorf Worb, Richigen, Wattenwil und Enggistein. Vielbringen-Rüfenacht dagegen
unterstand dem Stadtgericht Bern, während Ried bei Richigen gerichtlich zur
Herrschaft Wyl, dem heutigen Schlosswil, gehörte. Die Hochgerichtsbarkeit in
der Herrschaft Worb besass ab 1406 die Stadt Bern.
Die meisten Worber Herrschaftsleute waren Bauern. Insbesondere das Dorf Worb
verfügte auch über ein bedeutendes Handwerk. Am Schlossstalden entstand nach
der Ableitung des Enggisteinbachs durch einen Kanal nach Worb in der Mitte
des 14. Jahrhunderts eine Gewerbesiedlung. Das Wasser trieb eine Mühle,
Schmieden, eine Sägerei, Schleifen und Walken an. Zahlreiche weitere
Handwerker wie Weber, Schuhmacher, Schneider, Sattler, Zimmerer, Tischler,
Küfer, Wagner und Drechsler waren ebenfalls in Worb vertreten.
In jedem Viertel der Kirchgemeinde Worb (Worb, Rüfenacht-Vielbringen,
Richigen mit Ried und Wattenwil-Enggistein) bildeten die Grundbesitzer eine
Gemeinde, die über die Nutzung von Feld, Weide und Wald bestimmte und
Verstösse gegen die Flurordnung sanktionierte. Die Viertelsgemeinden nahmen
ausserdem Aufgaben in den Bereichen Schule, Armenfürsorge, Brandschutz und
Unterhalt der Infrastruktur wahr. Bereits im 17. Jahrhundert gab es Schulen
in Worb, ab 1700 hatten alle Viertel ein Schulhaus.
Die dem heiligen Mauritius geweihte Worber Kirche ist eine frühromanische
Saalkirche. Sie wurde im 11. Jahrhundert an der Stelle eines möglicherweise
spätrömischen oder frühmittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet und im 19.
und 20. Jahrhundert viermal renoviert. Nach der Reformation wurde in der
Kirchgemeinde Worb, wie in anderen Berner Gemeinden auch, ein Chorgericht
eingesetzt, das für die Einhaltung der christlichen Ordnung zu sorgen hatte
und über Sittenvergehen der Bevölkerung urteilte. In der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts entstand in Worb die katholische Pfarrei St. Martin.
1834 konstituierte sich die Einwohnergemeinde Worb. Sie übernahm die
Verwaltung des Kirchen- und Armenguts, die Versorgung der Armengenössigen,
das Vormundschaftswesen und wählte die kommunalen Amtsträger. Die
Viertelsgemeinden blieben aber bis zur Zentralisation 1920 als
Körperschaften mit eigenen Aufgaben bestehen. Mit der Zentralisation wurden
auch die Urnenwahl und das Proporzsystem für die Wahl des Gemeinderats
eingeführt. 1968 nahm die Gemeinde das Frauenstimmrecht an. 1972 trat der
erste hauptamtliche Gemeindepräsident, der gleichzeitig Verwaltungsvorsteher
und Leiter von zwei der zehn neu gebildeten Verwaltungsdepartemente war,
sein Amt an. 1973 ersetzte der Grosse Gemeinderat die Gemeindeversammlung.
Die Volksinitiative zur Wiedereinführung der Gemeindeversammlung scheiterte
1993. Mit der Gemeindeverfassung von 2000 wurden die Volksrechte um das
konstruktive Referendum, die Volksmotion und das Volkspostulat erweitert.
Seit 1995 politisieren Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren im Worber
Jugendrat (Jugendparlament).
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Ansicht der Kirche von Worb im späten 20. Jahrhundert.
Quelle: Gemeinde Worb, Diasammlung Bauabteilung C 32 |
1837 wurde im Dorf Worb eine private Sekundarschule gegründet. Nach dem
Zweiten Weltkrieg verlangten steigende Schülerzahlen in Worb und Rüfenacht
nach neuen Schulhausbauten (z.B. 1968 Eröffnung der Primarschulanlage
Rüfenacht, 1975 des Sekundarschulzentrums Worbboden). In den Aussenbezirken
gefährdete die demografische Entwicklung ab 2004 den Betrieb der dortigen
Schulen.
Die Landwirtschaft mit den von ihr abhängigen Gewerben war bis Mitte des 20.
Jahrhunderts der vorherrschende Wirtschaftssektor. In der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts drängte die Milchwirtschaft den Ackerbau zurück. Ab den
1950er Jahren wurde die Landwirtschaft mechanisiert. Zahlreiche
Industriebetriebe siedelten sich im 19. und 20. Jahrhundert in Worb an, so
1863 die Bierbrauerei Egger, 1872 die Sägerei von Gottlieb Gfeller (heute
Olwo), 1881 die Buchbinderei Christian Aeschbacher, 1882 die Bauholzsägerei
und Schreinerei der Brüder Könitzer und 1884 die Schlosserei G. Sägesser,
aus der die Verzinkerei hervorging. Die Hammerschmiede Ott spezialisierte
sich im 19. Jh. auf die Produktion von Pflügen. 1904 entstanden aus einer
Fusion die Vereinigten Leinenwebereien (heute Scheitlin+Borner AG). Nach dem
Zweiten Weltkrieg kamen in Maschinen- und Apparatebau, Elektronik,
Feinmechanik, Möbel- und Küchenbau tätige Betriebe sowie die bernische
Grossmosterei (später Pomdor, 1994 geschlossen) dazu.
Der Eisenbahn standen die Worber anfänglich skeptisch gegenüber. Der
SBB-Bahnhof wurde an den Rand des Gemeindegebiets gedrängt. Dank des Orangen
(Worb Dorf–Worblental–Bern 1913) und Blauen Bähnlis (Worb–Muri–Bern
Helvetiaplatz 1898) fand Worb um 1900 dennoch den Anschluss an Bern. Mit dem
Bau des Bahnhofs und des ihn umgebenden Quartiers erlebte Worb eine erste
Siedlungserweiterung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Worb von einer regen
Bautätigkeit, v.a. in Worb Dorf und Rüfenacht, erfasst und die Bevölkerung
stieg durch Zuzüger rasant an. Worb wandelte sich zu einer
Agglomerationsgemeinde der Stadt Bern, was sich auch in urbanen Bauten wie
dem Bärenareal (2000) und dem neuen Bahnhof (2003) niederschlug.
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