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Beitrag Nr. 3 Ludwig Scholz (fs)

Referat IG Worber Geschichte vom 28. März 2018
Marco Jorioo

Ludwig Scholz (1867 - 1939) - ein Nazi auf Schloss Worb

Am 15. Juli 1915 tritt Ludwig Scholz zum erstenmal in Worb mit einem Protokolleintrag des Gemeinderates aktenkundlich in Erscheinung. Während 40 Jahren sollte dieser Deutsche die Worber Öffentlichkeit beschäftigen – und nicht nur positiv. Er wird nämlich den Worberinnen und Worbern als geheimnisumwitterter Nazi in schlechter Erinnerung bleiben. Davon war am 15. Juli 1915 aber noch nicht die Rede: An jenem Tag unterstützte der Worber Gemeinderat das Niederlassungsgesuch von Ludwig Scholz-Crosbie bei der kantonalen Polizeidirektion mit dem Vermerk: „neuer Besitzer des Schlosses Worb“. Nach den Informationen des Burgenvereins erwarb Scholz das Schloss aber erst im Oktober 1915.

Wer war dieser Ludwig Scholz? Über ihn ist nicht viel bekannt. Was ich Ihnen heute vortrage, ist nicht mehr als ein Zwischenbericht. Je weiter ich die Recherchen vorantreibe, desto mehr öffnen sich neue Türen und Fragestellungen. Ich stütze mich für dieses Referat vorerst einmal vor allem auf eine Art Festschrift von Hans Wilhelm Bauer aus dem Jahre 1934: „Ludwig Scholz. Ein deutscher Kolonialpionier“, dann auf die Worber Gemeinderatsprotokolle, auf die überraschend reichen Unterlagen der IG Worber Geschichte in ihrem elektronischen Archiv, die anlässlich des Projekts für die Worber Geschichte zusammengetragen wurden und Akten aus dem Bundesarchiv, so  die Fiche Ludwig Scholz des Staatsschutzes, welche Einträge von Mitte der 1920er Jahre bis 1946 umfasst. Wie wir gleich sehen werden, sind aber seine Nichte Cläre Zillis (geboren 1888), die seit 1926 mit ihrem Onkel und der Haushälterin Inge Poppitz (geboren 1898) zusammen wohnte, bezüglich Nazi-Aktivität interessanter. Danke auch an Frau Seelhofer für einige mündliche Auskünfte.

Geboren wurde Ludwig Scholz am 13. Mai 1867 in Köln als Sohn des Georg und der Gertrud geb. Moers. Er scheint ein wilder und abenteuerlicher Bub gewesen zu sein; denn schon als Zwölfjähriger reisst er von zuhause aus, um sich als Schiffsjunge anheuern zu lassen. Er kommt aber nur bis zur holländischen Grenze, wo er gefasst und zu den Eltern zurückspediert wurde. Zwei Jahre später haut er nochmals ab. Dieses Mal darf er sich aber mit väterlicher Genehmigung als Schiffsjunge auf ein Segelschiff anheuern lassen. Im Anschluss an seine erste Schiffsreise nach Afrika absolviert er in Osnabrück eine vierjährige Buchhändlerlehre. Mit 20 Jahren leistet er freiwillig ein Jahr Militärdienst, um dann 1888, als 21-Jähriger ein zweites Mal nach Afrika zu reisen – dieses Mal im Sold des Hamburger Reeders und Überseekaufmanns Adolph Woermann, der als Politiker ein Promotor der noch sehr jungen Kolonialpolitik Deutschlands wurde.

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