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Schulhaus Vielbringen

Öffentliches Gebäude, Schule
Das Primarschulhaus Vielbringen-Rüfenacht wurde 1907 erbaut und gehört zu den letzten Vertretern eines im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Schulhaus-Typus.
Nüchterner Bau in spätklassischen Formen. Quaderförmiger Baukörper mit angebautem Treppen- und Toilettenflügel (umgebaut und wohl vergrössert). Ziergiebel betonen die Mittelachse der Hauptfassade, strassenseitig 3-teilige Oberlichttür sowie Balkon mit kräftigen Konsolen.
Die Hauptfront des Gebäudes ist den damaligen schulhygienischen Normen entsprechend nach Südosten ausgerichtet. Im Nordwesten Pausen- und Turmplatz. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite steht das ehemalige Schulhaus von 1819 (stark verändert). Gebäudepaar am Fuss des sanft ansteigenden Hangs zwischen Vielbringen und Rüfenacht. Das Schulhaus Vielbringen-Rüfenacht gehört zu den letzten Vertretern eines im 19. Jahrhundert entwickelten und weit verbreiteten Schulhaus-Typus.

1. Baujahr
1907 erbaut

Name Bauherr, Besitzer und Architekten
Einwohnergemeinde Worb

Inschriften/Baudaten
1907 Brandv.

Geschichte
Hans Neuenschwander (1981 S. 25-27) schreibt über die Vielbringer Schulsituation im 19. Jhdt.: "Innerhalb der Kirchgemeinde waren die einzelnen Viertel für die Schule verantwortlich. Für die Aussenbezirke brachte dies insofern Schwierigkeiten, als immer zwei Ortschaften erfasst werden mussten: Wattenwil-Enggistein, Richigen-Ried und ebenso Vielbringen-Rüfenacht. Hier wurde die Lösung zuerst so getroffen, dass in jährlichem Wechsel an beiden Orten Schule gehalten wurde. In Vielbringen geschah dies im heute noch bestehenden, mehrfach umgebauten Wohnhaus unmittelbar beim untern Feuerweiher. Ein etwas verschrobener Jungeselle, der dort wohnte, war noch hundert Jahre später als "Schulhus-Nöldu" dorfbekannt.
Wegen der damals natürlich zu Fuss zu bewältigenden langen Schulwege konnte diese Wechseleinrichtung auf die Dauer nicht befriedigen. Der Wunsch nach einem zentralen Schulhaus war deshalb verständlich. Er ging in Erfüllung, als im Steinacker ein Stück Pfrundland erworben werden konnte. Zwei benachbarte Parzellen sind heute noch als Kirchbühlacker und Pfaffenland bekannt.
Das "alte" Schulhaus wurde 1819 erstellt und für 3'800 Franken brandversichert, zu einer Zeit, wo solches noch kaum üblich war. Es enthielt 2 Schulzimmer auf der Seite des Turnplatzes, 2 einfache Lehrerwohnungen sonnseits und einen besonderen Abortanbau. Das für den Schulhausbrunnen nötige Wasser konnte für 50 Kronen Bernwährung vom Mauermoos gekauft werden. Das Haus war für damalige Verhältnisse recht weitsichtig geplant, denn zweiteilig wurde die Schule erst ab 1844 geführt. Hierführ genügte es dann auch bis 1907, als das dreiteilig konzipierte neue Schulhaus bezugsbereit war. Auch hier wurde räumlich grosszügig gebaut, konnten doch vor Entstehen der neuen Schulanlagen in Rüfenacht darin 5 Klassen untergebracht werden.
Erster Lehrer war ein schon seit 1817 amtierender Herr Egli. In der Folge wirkte er volle 44 Jahre in Vielbringen ohne dass er je eine fachgerechte Ausbildung in heutigem Sinne genossen hätte. Ein eigentliches Seminar gab es nämlich erst seit 1833. Vorher wurde als Lehrer zugelassen, wer sich ein bescheidenes Rüstzeug durch Selbststudium, Privatunterricht und Besuch einfacher Kurse angeeignet und sich an einer einfachen Prüfung ausgewiesen hatte. [...]

Trotzdem muten die Schulverhältnisse jener Zeit noch recht eigenartig an, was einige Hinweise aus den frühesten Schulkommissionsprotokollen zeigen mögen. Der Schulbesuch war obligatorisch und zu kontrollieren. Dabei waren 14 Tage unentschuldigtes Fernbleiben zum vornherein toleriert. Wer darüber hinaus mehr als ein Drittel versäumte, machte sich strafbar. Andererseits sollte als fleissig ausgezeichnet werden, wer im Sommer von den Kleinen über drei Viertel und von den Grösseren über die Hälfte der Schultage besuchte. Arbeit kam im Sommer eben vor Bildung. Im Winter fand man besser Zeit; so waren im Februar 1833 von 93 Schülern durchschnittlich 76 anwesend. [...]
Folgende Fächer waren zu unterrichten: Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion und damit verbunden Singen. Religion stand im Vordergrund. [...]"

Quellen
Bauinventar der Gemeinde Worb, Band 2, Objekte mit Strassennamen, herausgegeben von der Einwohnergemeinde Worb und der Denkmalpflege des Kantons Bern, 2003, Seite 2.

Literatur
Hans Neuenschwander, Vielbringen: ein Rückblick. Im Auftrag der Burgerschaft Vielbringen, Vielbringen 1981.

Weitere Bilder aus der Bilddatenbank der IG Worber Geschichte

Schulhaus Vielbringen (Foto Monica Cloetta 2013) Schulhaus Vielbringen (Foto Monica Cloetta 2013)

Zugehörige Objekte

Name
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