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Verkehrsmonitoring

Verkehrssanierung

Was bringt die Umfahrungsstrasse von Worb, die seit 2016 in Betrieb ist? Die aktuellen Verkehrsmessungen (Verkehrsmonitoring 2019) zeigen, dass die Ziele der Verkehrssanierung weitgehend erreicht sind.

Der Kanton führte im Juni 2019 in und um Worb umfassende Verkehrszählungen durch. Aus den Ergebnissen lassen sich interessante Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Umfahrungsstrasse und das Verkehrsaufkommen im Zentrum gewinnen:

Was bringt die Umfahrungsstrasse?

Einige Worberinnen und Worber finden, dass es im Zentrum von Worb auch nach Inbetriebnahme der Umfahrungsstrasse noch immer viel zu viel Verkehr habe. Dieses subjektive Empfinden lässt sich nicht widerlegen. Die Verkehrsmessungen zeigen nun allerdings, dass der Verkehr im Zentrum von Worb signifikant abgenommen hat und die angestrebten Ziele der Verkehrssanierung erreicht worden sind:

  • Die neue Umfahrungsstrasse übernimmt den Grossteil des Durchgangsverkehrs von Worb: Auf der Spange Süd (Wisletunnel) zirkulieren in beide Richtungen täglich insgesamt rund 11’000 Fahrzeuge, auf der Spange Nord 9’900 Fahrzeuge.
  • Entsprechend wird das Zentrum von Worb markant entlastet: Auf der Bernstrasse ist das Verkehrsaufkommen gegenüber 2010 um 73%, auf der Bahnhofstrasse um 63% zurückgegangen.
  • Der Anteil des Durchgangsverkehrs hat gegenüber 2010 markant abgenommen. Auf der Bernstrasse von 56 auf 18%, auf der Bahnhofstrasse von 32 auf 22%.
  • Mit der Einführung von Tempo 30 auf der Bern- und der Bahnhofstrasse zirkuliert der Verkehr deutlich langsamer: Die mittlere Geschwindigkeit hat auf der Bernstrasse in Richtung Rüfenacht um 14 km/h abgenommen, in Richtung Käsereikreisel um 11 km/h. Auch auf der Bahnhofstrasse wird langsamer gefahren: Die Temporeduktion gegenüber der Messung 2010 beträgt in beide Richtungen 6-7 km/h.
  • Die Umweltauflagen betreffend Lärmbelastung sind erfüllt.

Interessanterweise ist das Verkehrsaufkommen auf den Zufahrtsachsen von Worb seit 2010 (Richigen, Boll, Enggistein, Rüfenacht, Rubigen) praktisch gleichgeblieben. Daraus lässt sich schliessen, dass die Umfahrungsstrasse keinen zusätzlichen Verkehr angezogen hat.

Grafik Verkehrszahlen

Braucht es die Poller?

Die erhobenen Verkehrszahlen auf der Bern- und Bahnhofstrasse bringen auch etwas Licht ins Dunkel der umstrittenen Poller-Frage. Auf beiden Zentrumsachsen werden die festgelegten Zielwerte des kantonalen Strassenplan derzeit auch ohne die vorgesehenen Poller-Sperrungen eingehalten. Das Lastwagenfahrverbot auf der Bahnhofstrasse, das diesen Herbst eingeführt worden ist, wird noch weitere Entlastung bringen.

Bernstrasse: Auf der Bernstrasse ergab die Messung im Juni 2019 einen durchschnittlichen Tagesverkehr von 3300 Fahrzeugen, davon lediglich noch 25% Durchgangsverkehr. Diese Verkehrsmenge ist damit deutlich unter dem Zielwert des kantonalen Strassenplans, der als Maximum 3700 Fahrzeuge pro Tag definierte. Das Ziel der Verkehrssanierung wird auf der Bernstrasse also auch ohne Inbetriebnahme der Poller erreicht.  

Bahnhofstrasse: Hier ergab die Messung 2019 einen durchschnittlichen Tagesverkehr von 5800 Fahrzeugen, davon lediglich 22% Durchgangsverkehr. Was die Einhaltung der Ziele des kantonalen Strassenplans betrifft, präsentiert sich die Lage etwas komplizierter. Hier wurde damals im Strassenplan nur ein Zielwert für den Durchgangsverkehr in der Nacht festgelegt: Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr dürfen demnach maximal 150 Fahrzeuge durchfahren. Keine Aussagen wurden über den Ziel-/Quellverkehr gemacht, also jene Fahrzeuge, die – zum Beispiel für einen Restaurantbesuch – in die Bahnhofstrasse fahren, dort parkieren und wieder wegfahren. Die Verkehrsmessungen vom Juni 2019 ergaben für die Nacht total 335 Fahrzeuge. Der Anteil des Durchgangsverkehrs beträgt 22%, was rund 75 Fahrzeugen entspricht, also deutlich weniger als der Zielwert von 150. Beim grossen Rest des Nachtverkehrs handelt es sich demnach um Ziel-/Quellverkehr, also zu- und wegfahrenden Verkehr, der sich auch durch Poller nicht eliminieren liesse. Fazit: Auch auf der Bahnhofstrasse müssen die Poller vorderhand nicht in Betrieb genommen werden.

Wie weiter?

Dass die Verkehrssanierung ihr Ziel auch ohne Poller erreicht und im Zentrum von Worb deutlich weniger Verkehr zirkuliert, ist eine erfreuliche Botschaft. Die Krux liegt darin, dass im gültigen Strassenplan des Kantons fixe Sperrzeiten festgeschrieben sind. Warum aber Sperren, wenn es auch ohne geht? Diese Frage stellen sich auch die Behörden. Kanton und Gemeinde haben sich 2018 deshalb auf folgendes Vorgehen geeinigt: Die Gemeinde Worb, die Ende 2019 nun auch die Bahnhofstrasse übernimmt, erarbeitet einen kommunalen Strassenplan, der den kantonalen ablösen wird. Im kommunalen Strassenplan will die Gemeinde auf starre Sperrzeiten verzichten. Gemeindepräsident Niklaus Gfeller betont: «Die Zielwerte der Verkehrssanierung für Lärm und Luftreinhaltung bleiben unangetastet. Der Durchgangsverkehr soll bei Bedarf sinnvoll eingeschränkt werden können. Eine fixe Sperrung ohne ersichtlichen Grund wird als Schikane empfunden.»

Der Gemeinderat ist derzeit im Kontakt mit dem kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung. Dieses ist für die Genehmigung des kommunalen Strassenplans zuständig. Der Gemeinderat strebt an, dass das Verfahren so rasch als möglich abgeschlossen werden kann.

 

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